Präsidentschaftswahlen in den USA dauern mittlerweile zwei Jahre, eine Art Dauerlauf für denjenigen, der sich dieser Strapaze aussetzen will. Das eigentliche Wählen beginnt zwar erst Anfang des kommenden Jahres, in den Vorwahlen der Einzelstaaten, aber die Kandidaten sind schon seit geraumer Zeit unterwegs, wobei sie hauptsächlich viel Geld ausgeben. Geld ist der andere Name der amerikanischen Demokratie. Läßt der Geldnebel, der das Wahlsystem einhüllt, es überhaupt zu, Charakter auszumachen? Dabei ist es gerade Charakter, wonach die amerikanischen Wähler bei ihren Kandidaten verzweifelt suchen. Ideologie interessiert die Mehrheit weniger. Der Zentralisierungsdruck des amerikanischen Systems bewirkt, daß Kandidaten mit ausgeprägten ideologischen Standpunkten linker oder rechter Provenienz keine Chance haben. Das Fiasko der "republikanischen Revolution" des Newt Gingrich hat aufs Neue demonstriert, daß radikale Positionen die Mainstream-Wähler verschrecken. Andererseits laden die Vorwahl-Kampagnen zu ideologischem Extremismus geradezu ein, weil diejenigen, die sich überhaupt die Mühe machen, an Parteivorwahlen teilzunehmen (und das sind heutzutage nicht viele), in der Regel Parteiaktivisten sind.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.