Ausgabe Februar 2000

Nationalstaat ohne Zukunft?

Mit der Formel vom "fin de siecle" verbanden sich früher Vorstellungen von kulturellem Niedergang, Verwirrung der Werte und einem Vertrauensverlust der Eliten. Das gilt ganz eindeutig für das Ende des 19. Jahrhunderts. Im Rückblick erscheint es uns als Vorbote jener Krise der europäischen Zivilisation, die 1914 folgte. Im Kontrast hierzu endete das 20. Jahrhundert mit Feuerwerken des Optimismus, mit kräftig bekundetem Zukunftsvertrauen. Die wichtigsten Nationen haben ihre Wertekrisen und ihre sozialen und kulturellen Umwälzungen in den Jahrzehnten um die Jahrhundertmitte durchgemacht. Europäer und Japaner erlebten die späten 40er als "Null"-Jahre. Der Krieg hatte ihre Systeme zerbrochen. Amerikas Krise kam in den 60ern und frühen 70ern.

Die 90er Jahre hingegen ließen die Demokratien triumphieren. Ihre Wirtschaft blühte. Die Technologie veränderte das Leben der Menschen dramatisch. Für andere Teile der Welt sah es nicht so wunderbar aus, aber der Kern des Westens - Westeuropa und Nordamerika - verabschiedete sich vom 20. Jahrhundert mit einem Paukenschlag und beginnt das 21. mit großen Erwartungen. Selbst die Russen, die das Jahrhundert als niederschmetternde Erfahrung erlebten, bekunden Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Tatsächlich begleiten Voraussagen besserer Zeiten das neue Jahrhundert. Manche sehen einen progressiven Systemwandel voraus.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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