Ausgabe Juli 2000

Humanitäre Heuchelei

Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen der allgemeinen humanitären politischen Rhetorik und der tatsächlichen Bereitschaft der Regierungen der USA und der EU, ein effektives System der internationalen Hilfe aufzubauen. Die internationale Verrechtlichung, Standardisierung und Koordination der staatlichen und nichtstaatlichen humanitären Akteure bewegt sich auf niedrigerem Niveau als zum Beispiel im Bereich des internationalen Post- und Flugverkehrswesen oder bei der Durchführung der olympischen Spiele. Dieser von einigen Beobachtern beschönigend als "System" der internationalen humanitären Hilfe bezeichnete Politikbereich gleicht einem System des institutionalisierten Zynismus. Letztes Opfer der hohen Kunst der Vereinnahmung und Neutralisierung von zunächst in kritischer Absicht entwickelter Begriffe könnte das Konzept der "zivilen Konfliktprävention" zu sein. Was hier eine Möglichkeit beschreibt, ist bei der "humanitären Hilfe" längst eingetreten.

Die UN-Vollversammlung hat dem amtierenden Beauftragten für humanitäre Hilfe, Sergio de Mello, zwar die Aufgabe der weltweiten "Koordination" humanitärer Hilfe und eine Art Lobbyfunktion für humanitäre Prinzipien zugewiesen, ohne ihn allerdings mit den dafür notwendigen institutionellen Instrumenten auszustatten.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Uganda vor dem Putsch des Löwen?

von Johanna-Marie Lange

Es war kurz nach Mitternacht Ende Juni, als Soldaten das Gebäude der Nation Media Group in Ugandas Hauptstadt Kampala stürmten und den wichtigsten unabhängigen Fernsehkanal NTV abschalteten. Auch die älteste und größte unabhängige Tageszeitung »Daily Monitor« wurde geschlossen.

Putins Geschäft mit der Verzweiflung

von Sophie Tiedemann

In Russland könnte angesichts der schwierigen militärischen Lage in der Ukraine im Herbst eine Generalmobilmachung bevorstehen – ein Szenario, das Wladimir Putin bisher vermieden hat. Stattdessen setzte er vor allem auf hohe Anwerbeprämien – und den Einsatz tausender Menschen aus dem Globalen Süden.