Ausgabe Juli 2000

Über die Verwechslung von Standortpolitik und Verantwortung

Laudatio auf den Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte

Die "Blätter für deutsche und internationale Politik" verleihen ihren Demokratiepreis im Jahr 2000 dem "Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte". Damit würdigen wir nicht nur dankbar die unschätzbare humanitäre Leistung, die der Bundesverband im Interesse von Tausenden von Geschädigten und Traumatisierten vollbracht hat, sondern vor allem - es geht schließlich um einen Demokratiepreis - den besonderen Beitrag, den der Bundesverband mit seinen Aktivitäten für den Ausbau und die Festigung der deutschen Demokratie und ihrer politischen Kultur in einer Zeit erbrachte und erbringt, in der die mühsam genug erworbenen Fundamente der deutschen Demokratie durch eine immer aggressivere Ausrichtung des politischen Betriebs auf kollektiven und individuellen Eigennutz Stück für Stück ausgehöhlt werden. So wie es im einzelnen menschlichen Leben Schicksalsschläge, Tragödien, nicht wiedergutzumachende Fehler und unumkehrbares Unglück gibt, mit dem wir zwar leben, das wir aber nicht mehr ändern können, so existieren auch in der Geschichte sozialer Großkollektive - etwa von Nationen - Brüche und Einschnitte, zu denen wir uns verhalten müssen, die aber nicht mehr zu wenden sind. Dies in Deutschland nicht zu vergessen, bedarf es bisweilen des Anstoßes von außen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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