Ausgabe Januar 2001

Realitätsschock BSE

Von der europäischen bis zur kommunalen Politik und von den Verbrauchern bis zu den Anbietern wird derzeit nach Ursachen für die BSE-Seuche gesucht. Wie konnte so etwas passieren? Wer ist schuld an der Verbreitung von BSE? Und welche Lehren sollten daraus gezogen werden? Die Beantwortung dieser Fragen erscheint auf den ersten Blick ziemlich kompliziert. Die naturwissenschaftliche Ursachenermittlung steckt noch immer in den Kinderschuhen. Trotz mehr als zehnjähriger Forschungen wissen wir kaum Genaues über Ansteckungswege, Übertragbarkeiten und Ursprünge der Seuche. Gelernt haben (sollten) wir in den letzten Jahren allerdings eine ganze Menge darüber, inwieweit wir uns in der Analyse und der Bearbeitung von Großrisiken auf unsere politischen Institutionen und die Wissenschaft verlassen können. Schon ein kurzer Überblick über die Geschichte der Seuche zeigt, daß sowohl die Politik wie auch die Wissenschaft in einem nur als katastrophal zu bezeichnenden Maße als Instanzen der Problembearbeitung versagt haben. Die BSE-Affäre liefert allerdings nicht nur eine Geschichte des Versagens. Sie kann auch als Chance verstanden werden, wenn sie dazu führt, daß Bürger in der Risikogesellschaft sich wieder verstärkt der Notwendigkeit eigenständiger und ethisch reflektierter Entscheidungskompetenz bewußt werden.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.