Ausgabe Januar 2001

Unsicherheitsfaktor Afghanistan

Seit Sommer 1999 erlangten Sicherheitsprobleme Zentralasiens internationale Aufmerksamkeit. In Zusammenstößen zwischen regulären Streitkräften und aufständischen Bojewiki (Kämpfer, Freischärler) zeigten sich gravierende Schwächen nationaler und regionaler Sicherheitsstrukturen in diesem Teil der GUS, im nördlichen Umfeld des afghanischen Krisenherds. 1) Bereits im Februar 1999 hatte ein Bombenattentat in Taschkent die Selbstdarstellung Usbekistans als Modell autoritärer Stabilitätswahrung im postsowjetischen Zentralasien nachhaltig erschüttert. Mitte des Jahres drangen Freischärler aus dem Umkreis einer "Islamischen Bewegung Usbekistans" von außerhalb der Regierungskontrolle stehenden Gebieten Tadschikistans in die kirgisische Provinz Batken ein, um von dort weiter nach Usbekistan vorzustoßen und im Ferganatal für einen "islamischen Staat" zu kämpfen. Ein Jahr nach dem "Schock von Batken" wiederholten sich Infiltrationen bewaffneter Gruppen aus Tadschikistan und Afghanistan in das Hoheitsgebiet der Nachbarstaaten, diesmal auch in eine Provinz Usbekistans.

Krisenbogen

Vor diesen Ereignissen hatte Zentralasien im Vergleich zu der von ethnisch-territorialen Konflikten destabilisierten kaukasischen Region als verhältnismäßig stabil gegolten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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