Ausgabe Februar 2001

Auf dem Weg in einen Polizeistaat neuen Typs?

1. Die kontinuierliche Ausweitung polizeilicher Befugnisse

Das Auftreten vieler Innen- und " Sicherheits " -Politiker erinnert fatal an Theodor Storms Märchen vom kleinen Häwelmann. 1) "Mehr, mehr!", fordern sie immer wieder. Sie wollen zwar nicht mit ihrem Bettchen durch die Stadt und in den Himmel fahren, sondern sie meinen damit vor allem mehr Befugnisse für die Polizei. Vom Bundes- und von den Landesgesetzgebern werden diese mit beeindruckender "Atemlosigkeit und Unersättlichkeit" 2) vorgebrachten Forderungen meist Schritt für Schritt erfüllt. So ist das Arsenal der polizeirechtlichen Ermächtigungsnormen in den letzten Jahren nach der Einführung des verdeckten Ermittlers und des Lauschangriffs sukzessive um die Schleierfahndung und das Aufenthaltsverbot bereichert worden 3), momentan steht gerade die Videoüberwachung öffentlicher Plätze auf der Agenda. Das Dickicht der ausufernden Detailbestimmungen der Polizeigesetze oder der in den verschiedensten Bundesgesetzen und -verordnungen geregelten Überwachung der Telekommunikation ist inzwischen selbst für Fachleute kaum noch überschaubar, geschweige denn für die davon betroffenen Bürger und Bürgerinnen. Die gewaltige Zunahme rechtlicher Regelungen bewirkt nicht mehr Rechtssicherheit gegenüber dem Zugriff der Staatsgewalt, sondern faktisch deren Entgrenzung.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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