Im nachhinein kann man die Ernennung des inzwischen zurückgetretenen Hodac zum Generaldirektor des Tschechischen Fernsehens fast als Glücksfall bezeichnen. Die Offensichtlichkeit, mit welcher der Fernsehrat aus allen möglichen Kandidaten denjenigen wählte, der am besten die Voraussetzung erfüllte, zum Handlanger der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) von Václav Klaus in dem wichtigsten modernen Medium zu werden, die Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten des Kandidaten und den Anforderungen seines Amtes, wie auch sein ungeschicktes Agieren nach der Wahl - dies alles brachte schließlich das Faß zum Überlaufen. Viel zu lange schon hatten sich in der tschechischen Gesellschaft Unmut und Enttäuschung über die Art und Weise aufgestaut, wie sich die Sozialdemokraten (CSSD) und ihre bei den Wahlen von 1998 knapp unterlegenen Gegenspieler von der ODS in einem "Oppositionsvertrag" die Macht teilten und das Land mehr und mehr in eine Spielwiese parteipolitischer Interessen verwandelten. So hatte sich die Mehrheit der Tschechen, die 1989 auf die Straße gegangen die Demokratie nicht vorgestellt. Ratlosigkeit und Skepsis waren überall mit Händen zu greifen. Das Agieren des Fernsehrates geriet in dieser Situation schnell zum pars pro toto für die Machenschaften in der Politik.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.