Ausgabe Juni 2001

Händewaschen mit Wojtyla

Als Paulus noch Saulus war, nämlich ein böser Jude, der Christen piesackte, und nicht - wie ihn die "Welt" kürzlich unter Berufung auf ihre apokryphe Redaktionsbibel avancierte - "der römische Offizier Saulus", da begegnete ihm auf der Straße nach Damaskus der liebe Gott in Gestalt des Sohnes. Nicht einfach so, sondern in einem gewaltigen Auftritt. Es donnerte und blitzte. Saulus ging mit seinen Gefährten zu Boden. Und er schlug - das ist, wie wir noch erfahren werden, in solchen Situationen üblich - mutmaßlich die Hände vor dem Gesicht zusammen. Meine "Allgemeine Realencyclopädie oder Conversationslexikon für das katholische Deutschland", bearbeitet von einem Vereine katholischer Gelehrter, enthüllte 1848 wie es weiterging: "Eine himmlische, Allen vernehmbare Stimme rief folgende Worte [...], die aber blos Saul verstand: 'Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu lecken.' Da fühlte Saul den Sinn der Worte, daß es schwer seyn werde, den Mächtigen zu widerstehen; sein Herz war gerührt u. er fragte erschrocken u. demüthig: 'Herr was willst du, daß ich thun soll.' Die Stimme befahl ihm nun, nach Damask zu gehen, wo er durch den Mund eines Dieners Gottes das Weitere erfahren würde.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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