Ausgabe Juli 2001

Weltfrieden und Völkerrecht

Made in the USA oder Aufgabe der UNO?

Zur Beurteilung der Frage, ob das Bombardement Belgrads der Region Segen gebracht hat, ist es noch zu früh. Die Zukunft wird es erweisen. Nicht zu früh, sondern dringend notwendig aber ist die Diskussion darüber, was aus dem Völkerrecht werden soll. Denn der Einsatz hat dieses sensible Gefüge zerstört. Er war kein einmaliger Völkerrechtsbruch, über den man hinwegsehen könnte, sondern der Beginn einer neuen Strategie. Das in Jahrhunderten mühsam aufgebaute Völkerrecht liegt am Boden, und niemand kümmert sich ernsthaft um die Frage, ob es in seiner alten Form restauriert oder in eine neue, Interventionen zulassende Form gebracht werden soll. Ohne dass die öffentliche Meinung angemessen beunruhigt wäre, herrscht völkerrechtliche Anarchie. Die NATO hat in ihrem Out of Area-Beschluss zum Ausdruck gebracht, dass sie sich auch in Zukunft berufen fühlt, nach eigenem Gutdünken und ohne Rücksicht auf die UN-Charta überall dort zu intervenieren, wo Menschenrechtsverletzungen vorkommen. Die Frage, ob die humanitäre Intervention - mit anderen Worten: der moralisch motivierte Angriffskrieg - auch anderen Mächten zusteht, wird vorsichtshalber nicht explizit gestellt und stillschweigend verneint. Es gibt auch keine Bestrebungen, die Charta in der Weise zu ändern, dass solche Einsätze zukünftig rechtmäßig werden.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema