Ausgabe Juli 2001

Weltfrieden und Völkerrecht

Made in the USA oder Aufgabe der UNO?

Zur Beurteilung der Frage, ob das Bombardement Belgrads der Region Segen gebracht hat, ist es noch zu früh. Die Zukunft wird es erweisen. Nicht zu früh, sondern dringend notwendig aber ist die Diskussion darüber, was aus dem Völkerrecht werden soll. Denn der Einsatz hat dieses sensible Gefüge zerstört. Er war kein einmaliger Völkerrechtsbruch, über den man hinwegsehen könnte, sondern der Beginn einer neuen Strategie. Das in Jahrhunderten mühsam aufgebaute Völkerrecht liegt am Boden, und niemand kümmert sich ernsthaft um die Frage, ob es in seiner alten Form restauriert oder in eine neue, Interventionen zulassende Form gebracht werden soll. Ohne dass die öffentliche Meinung angemessen beunruhigt wäre, herrscht völkerrechtliche Anarchie. Die NATO hat in ihrem Out of Area-Beschluss zum Ausdruck gebracht, dass sie sich auch in Zukunft berufen fühlt, nach eigenem Gutdünken und ohne Rücksicht auf die UN-Charta überall dort zu intervenieren, wo Menschenrechtsverletzungen vorkommen. Die Frage, ob die humanitäre Intervention - mit anderen Worten: der moralisch motivierte Angriffskrieg - auch anderen Mächten zusteht, wird vorsichtshalber nicht explizit gestellt und stillschweigend verneint. Es gibt auch keine Bestrebungen, die Charta in der Weise zu ändern, dass solche Einsätze zukünftig rechtmäßig werden.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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