Ausgabe Oktober 2001

Das Phänomen Koizumi

Durchbruch zur Demokratie oder autoritärer Populismus

Japan erfreut sich zur Zeit einer höchst populären Regierung. Die Zustimmungsraten für die Koalition von Liberal-Demokratischer Partei (LDP), Neuer Komei Partei (Komei) und Neuer Konservativer Partei (NKP) pendelten im Sommer 2001 um 80%. 1) Zu verdanken ist dieses beispiellose Popularitätshoch den Charismatiker Junichiro Koizumi, der sich am 24. April dieses Jahres in einer parteiinternen Abstimmung gegen seine Rivalen Hashimoto und Aso durchsetzen konnte und zwei Tage später von beiden Kammern des Parlaments zum Premierminister gewählt wurde. Menschen stehen Schlange, um ein Poster oder Video vom neuen Regierungschef zu kaufen, Schallplattenfirmen bringen Sampler mit seiner Lieblingsmusik auf den Markt, auf Werbeplakaten figuriert er als "Löwenherz". Die durchgreifenden Mechanismen gleichgeschalteter Massenkonsumtion, wie man sie in Japan bislang regelmäßig im ebenso totalen wie kurzlebigen run auf bestimmte Modeartikel oder Genußmittel erleben konnte, scheinen nun auch den politischen Raum zu besetzen. Was macht die ungeheure Beliebtheit des japanischen Premiers aus?

Sicher, Koizumi ist eine telegene Erscheinung mit dem Image eines unangepaßten und dennoch durchsetzungsfähigen Querdenkers, der die Grundübel der japanischen Politik und Gesellschaft offen anspricht.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.