Ausgabe Oktober 2001

Das Phänomen Koizumi

Durchbruch zur Demokratie oder autoritärer Populismus

Japan erfreut sich zur Zeit einer höchst populären Regierung. Die Zustimmungsraten für die Koalition von Liberal-Demokratischer Partei (LDP), Neuer Komei Partei (Komei) und Neuer Konservativer Partei (NKP) pendelten im Sommer 2001 um 80%. 1) Zu verdanken ist dieses beispiellose Popularitätshoch den Charismatiker Junichiro Koizumi, der sich am 24. April dieses Jahres in einer parteiinternen Abstimmung gegen seine Rivalen Hashimoto und Aso durchsetzen konnte und zwei Tage später von beiden Kammern des Parlaments zum Premierminister gewählt wurde. Menschen stehen Schlange, um ein Poster oder Video vom neuen Regierungschef zu kaufen, Schallplattenfirmen bringen Sampler mit seiner Lieblingsmusik auf den Markt, auf Werbeplakaten figuriert er als "Löwenherz". Die durchgreifenden Mechanismen gleichgeschalteter Massenkonsumtion, wie man sie in Japan bislang regelmäßig im ebenso totalen wie kurzlebigen run auf bestimmte Modeartikel oder Genußmittel erleben konnte, scheinen nun auch den politischen Raum zu besetzen. Was macht die ungeheure Beliebtheit des japanischen Premiers aus?

Sicher, Koizumi ist eine telegene Erscheinung mit dem Image eines unangepaßten und dennoch durchsetzungsfähigen Querdenkers, der die Grundübel der japanischen Politik und Gesellschaft offen anspricht.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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