Ausgabe Januar 2002

Japan im Bündnisfall

Am 8. September 1951 erhielt Ostasien durch den Friedensvertrag von San Francisco eine neue Ordnung, die über ein halbes Jahrhundert fortbestand. Kern dieser Ordnung ist der zusammen mit dem Friedensvertrag unterzeichnete japanisch-amerikanische Sicherheitspakt. Er garantierte lange die Verteidigung Japans gegen einen Angriff der Sowjetunion, sicherte die Präsenz amerikanischer Streitkräfte in der Region und gab damit den Anrainerstaaten das Gefühl, unter dem militärischen Schutzschirm der global stärksten Militärmacht zu stehen. Niemals kam jemand in Japan auf den Gedanken, man könnte einmal selbst als Bündnispartner der USA gefordert sein, wenn diese zum Ziel eines feindlichen Angriffs würden. So gibt es im japanisch-amerikanischen Sicherheitsvertrag bis heute keine Bestimmung, die einen Beistand Japans für die USA vorsieht, also den "Bündnisfall", wie in Artikel 5 des NATO-Vertrags formuliert.

Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags von San Francisco und dem Abschluss des japanischamerikanischen Sicherheitsvertrags, am 11. September 2001, ist das Unvorhergesehene nun jedoch eingetreten: Die USA sind Opfer eines feindlichen Angriffs geworden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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