Ausgabe März 2002

Der Kandidat und sein Modell

Beobachtungen in Bayern

Anfang Februar trafen sich die Falken der Welt zur 38. Münchner Sicherheitskonferenz in einem Nobelhotel der Bayernmetropole. Auf dieser von einem privaten Kreis organisierten Veranstaltung wird traditionell kein Blatt vor den Mund genommen. So forderten die amerikanischen Vertreter die Europäer zu größeren Rüstungsanstrengungen auf, denn beim Krieg in Afghanistan habe man die europäischen NATO-Truppen "ehrlich gesagt nicht brauchen können", so US-Senator McCain. Edmund Stoiber, bayerischer Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat erwiderte pflichtschuldigst: "Wir müssen sehr viel mehr für unsere Sicherheit tun." Gastgeber Horst Teltschik hatte auch gleich die Idee, wie man das in die Wege leiten könnte: "Wir sollten im nächsten Jahr die Finanzminister dazuladen." 1)

Das Treffen in München ist also wahrlich keine Quasselbuden-Veranstaltung. Dass sich dagegen Protest regen würde, war zu erwarten. Doch er durfte nicht in den vom Grundgesetz vorgesehenen Bahnen stattfinden. Wieder einmal hat Bayern, respektive München, neue Standards bei der Einschränkung der Demonstrationsfreiheit gesetzt. Für die gesamte Dauer der Konferenz, volle drei Tage lang, verhängte das Münchner Kreisverwaltungsreferat ein totales Demonstrations- und Veranstaltungsverbot im inneren Stadtgebiet.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema