Die großen Ströme mit ihren unzähligen Nebenflüssen teilen China in drei geographische Hauptzonen ein. Der Süden wird bestimmt durch das Einzugsgebiet des Sinkiang, Zentralchina durch den Jangtse Kiang und der Norden schließlich durch den Huang He, den Gelben Fluss, an dessen Mittellauf nach chinesischer Überlieferung die Wiege des chinesischen Volkes stand. Vor mehr als fünf Jahrtausenden bildeten sich in dieser Region die ersten Ansätze einer Zivilisation heraus, und um 1000 v. Chr. hatten die Chinesen ihr Siedlungsgebiet bereits entlang des Gelben Flusses ausgedehnt und auch begonnen, im Tal des Jangtse Kiang zu siedeln. Anders als bei Euphrat und Tigris entstand die chinesische Zivilisation wohl weniger durch den Segen des Huang He als vielmehr im Kampf mit ihm. Immer wieder verlegte der Fluss nach großen Überschwemmungen sein Bett. Alles in allem, so Forschungen, hat der Wasserlauf zwischen 2278 v. Chr. und 1922 n. Chr. mindestens 418 Überschwemmungen verursacht und mindestens zehn Richtungsänderungen vorgenommen.[1] Die letzte große Verschiebung fand 1851 statt, als er seine Mündung von südlich der Halbinsel Shandong zu einer fast 500 km nördlicheren Region verlegte. Ganze Landstriche wurden dabei verwüstet und Millionen von Menschen kamen ums Leben.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.