Ausgabe Juli 2002

Feuilletonstadl

Zurzeit wird auf allen deutschen Bühnen ein und dasselbe Stück gegeben. Es heißt "Antisemitismus" und macht sich offenbar im Wahlkampf, im Feuilleton und in der Außenpolitik gleichermaßen gut. Der jüngste Fall "Schirrmacher gegen Walser" schaut auf den ersten Blick aus, als sei er in einer Diskurswerkstatt erdacht und nach allen Regeln der Kunst in Szene gesetzt worden. Da schickt der deutsche Schriftsteller, dessen bewährtes Erfolgsrezept der kalkulierte Tabubruch am rechten Rand ist, seinen jüngsten Schlüsselroman "Tod eines Kritikers " zum Vorabdruck an die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Just an das Organ, bei welcher der kaum verschlüsselte Kritiker vordem zu Hause war.

Der Feuilletonchef schreit: "Antisemitismus"! In der Tat spielt der Text mit den seit Richard Wagner "bewährten" Repertoireelementen des "Kulturjuden": Machtgier, Geldgier, Geilheit und recodiert sie "neutral" als Merkmale des Kulturbetriebs in den Massenmedien. Der Feuilleton-Chef lehnt den Roman in einem offenen Brief ab. Walser hat den Skandal, den er braucht, und die FAZ eine ebenso dringend benötigte resonanzträchtige Kampagne im Kampf um die Lufthoheit der Feuilletons. Eigentlich könnten alle zufrieden sein.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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