Ausgabe November 2002

Gesucht: Europa als strategische Idee

Die transatlantischen Missverständnisse erhalten in der gegenwärtigen Phase der Erhitzung des öffentlichen Klimas in Amerika eine besondere Eigendynamik: Die Dramatik, von der amerikanischen Medienwelt gekonnt inszeniert, weist in Richtung eines Krieges gegen den Irak. „Showdown Irak“ ist die mediale Überschrift, mit der die Öffentlichkeit auf die Realität des bevorstehenden Krieges vorbereitet wird. Der Terror hat die amerikanische Nation existenziell getroffen. Selbst die letzte verbliebene Supermacht kann den Schutz ihrer Bürger nicht garantieren. Dies ist ein völlig neuer Horizont für ein Land, das sich in seiner Geschichte weitestgehend als von außen unangreifbar verstehen konnte. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen Amerikas lagen traditionell außerhalb der eigenen Grenzen. Überall, wo der amerikanische Traum von der Freiheit bedroht erschien, war das Ethos der Vereinigten Staaten gefordert – im geteilten Deutschland, in Berlin, in Vietnam, in Somalia und anderswo. Jetzt aber wurde erstmals die Gefährdung der eigenen Nation zur traumatischen Erfahrung.

In der amerikanischen Antwort, im Krieg gegen denTerror, ist nun aus amerikanischer Sicht nicht primär Freundschaftspathos gefragt, sondern handfeste europäische Leistung.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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