Ausgabe Mai 2004

Ethnonationalismus in Sri Lanka

Sri Lanka, jene Insel südlich von Indien mit ihren 19 Millionen Einwohnern, früher Paradies für Gewürze, heute Anziehungspunkt für Touristen und wegen seiner demokratischen Institutionen gepriesen, wurde zunächst von Sozialwissenschaftlern als Modell gesellschaftlicher Entwicklung entdeckt – vor allem aufgrund seiner religiösen Vielfalt aus Buddhisten (69 Prozent), Hindus (15 Prozent), Christen und Muslimen (je 7 Prozent) aber auch als Vielvölkerstaat aus indogermanischen Singhalesen (74 Prozent), Sri Lanka Tamilen (12 Prozent), Indian Tamils im Plantagenhochland (6 Prozent) und den ebenfalls Tamil sprechenden Moors (Arabern, Persern, Malayen). Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahre 1983 mit inzwischen über 60 000 Toten ist das Land jedoch zunehmend in das Blickfeld von Politikern und Kriegsforschern geraten.

Die Sri Lanka Tamilen werden praktisch seit der Unabhängigkeit von 1948 durch die Sinhala-buddhistische Mehrheit diskriminiert: durch den Entzug von Staatsbürgerschaft und Wahlrecht für die Indian Tamils (1948/49), die seinerzeitige Erhebung von Sinhala zur einzigen Nationalsprache (1956), die Quotierung von Studienplätzen zu Gunsten der Singhalesen (1972), die zunehmende Singhalisierung des öffentlichen Dienstes, einschließlich Polizei und Armee, sowie die amtlich geförderte Ansiedlung singhalesischer Bauern in traditionellem tamilischen Gebiet.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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