Ausgabe April 2005

Der Maritime Komplex

Fröhlich genoss Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Auftritt auf dem Gipfeltreffen des deutschen Maritimen Komplexes in Bremen. Der vermeintliche Autokanzler hatte auch allen Grund, die Seefahrt ins Herz zu schließen, denn Handelsflotte, Nord- und Ostseehäfen, die speziell in Süddeutschland starke Zulieferindustrie und sogar die Werften dürfen sich heute als Sieger der so genannten Globalisierung feiern lassen – und das, obwohl sie direkter als viele Wirtschaftszweige die weltweite Internationalisierung spüren. Entscheidend dazu beigetragen hat die enge Verknüpfung von Wirtschaft, Staat, Wissenschaft und Gewerkschaft zu einem Maritimen Komplex.

Die maritime Wirtschaft ist weit mehr als Hafenromantik. Trotzdem bleibt das Flaggschiff des bundesweiten Wirtschaftszweiges der Hamburger Hafen. 2004 wurden dort insgesamt sieben Millionen TEU (20-Fuß-Standardcontainer) verladen – ein sagenhaftes Plus von 14,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2010 werden es zwölf Millionen Container sein, prognostiziert die "Hafen Hamburg Marketing", ein Gemeinschaftsunternehmen von Stadt und Wirtschaft.

Aber nicht allein der Norden profitiert, "nahezu alle Bereiche dieses Wirtschaftszweiges weisen ein beachtliches Wachstum auf", freut sich die Bundesregierung.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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