Ausgabe Mai 2005

George Kennan und der Kalte Krieg

George F. Kennan, der Mitte März im Alter von 101 Jahren starb, ist in seiner wahren Bedeutung verkannt worden. Diese lag in dem Humanismus und dem wachen Bewusstsein für kulturelle Werte, die er in die Auseinandersetzung um die außenpolitischen Aufgaben dieser Nation einbrachte. An die Eindämmungsstrategie des Kalten Krieges (containment), deren Urheber Kennan ist, erinnert man sich gewöhnlich in den Kategorien materieller und militärischer Stärke. Das lag nicht in seiner Absicht.

In den 1947 und 1951 veröffentlichten Artikeln, in denen Kennan seine Argumente vortrug, heißt es: "Jegliche Botschaft, die wir anderen möglicherweise übermitteln möchten, wird nur dann Wirkung zeigen, wenn sie mit unserem Selbstverständnis in Einklang steht und wenn dieses hinreichend beeindruckend wirkt, um sich in einer Welt Respekt und Vertrauen zu verschaffen, die ungeachtet aller ihrer materiellen Schwierigkeiten geistige Überlegenheit immer noch bereitwilliger anerkennt und respektiert als materiellen Überfluss. [...] Das soll nicht heißen, dass viele jener Dinge, die heute das öffentliche Bewusstsein beschäftigen, nicht fraglos ihre Bedeutung haben: Dinge wie physische Stärke, Rüstung, Entschlossenheit und Solidarität mit den anderen freien Nationen [...].

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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