Ausgabe Januar 2006

Deutsch-Osteuropa 2005:

Ein Jahresrückblick der anderen Art

2005 war ein gutes Jahr – jedenfalls mit Blick auf das deutsche Sprach- Verhältnis zu Osteuropa. „Deutsch ist die allgemeine Slawensprache“, soll Lenin einmal gesagt haben. Tatsächlich war Deutsch das zwar nie, aber durch die guten Deutschkenntnisse der Osteuropäer – 31 Prozent der Tschechen, Slowaken, Ungarn etc. sprechen Deutsch – ist unsere Muttersprache inzwischen auf den zweiten Platz in der Europäischen Union gerückt.1

Das vergangene Jahr bot vor allem drei Ereignisse, die im deutsch-osteuropäischen Verhältnis von Belang waren – und die diese Sprach-Tradition hörbar belegten. Es begann Mitte April mit der Wahl des Deutschen Joseph Ratzinger zum neuen Papst Benedict XVI., die der Osten begeistert aufnahm. Dass Ratzinger v detstve sostojal v Gitlerjugende (als Kind in der Hitlerjugend war), nahmen die Russen schlicht als unvermeidlich hin (regnum.ru 20.4. 2005). Die allgemeine štimung (serb.kr.) für den liberální sympat’ák in Rom drückte ein Prager Kulturblatt aus, als es (in fast fehlerfreiem Deutsch) leitartikelte: Alles Gute, liebe Benedikt! (Rx 22.4.2005).

Der Mai stand dann ganz im Zeichen der 60. Wiederkehr des Kriegsendes, was nicht ohne partielle Wiederbelebung von obsoletem Wortgut abging – mal in deutscher Orthographie, mal in phonetischer Transkription verwendet: Abwehr (poln., tschech.), abver (russ., serb.kr.), blickrig (russ.), chajl’ Gitler (russ.), einsatzgruppe (poln.), Die fahne hoch (tschech.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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