Ausgabe Juli 2006

Australischer Hinterhof

Die konservative Regierung des Premierministers John Howard gehört nach wie vor zu den treuesten Verbündeten der USA im „Krieg gegen den Terror“. Während sich andere einst allzu Willige aus der coalition of the willing nach und nach aus dem Staub machen, hat Australien jüngst sein militärisches Kontingent in Afghanistan aufgestockt und versichert, dass australische Soldaten über den ursprünglich vorgesehenen Abzugstermin im Mai 2006 hinaus auf unabsehbar lange Zeit im Irak bleiben werden.

Nun fällt die australische Beteiligung an den Kriegen im Irak und in Afghanistan militärisch nicht wirklich ins Gewicht – jeweils sind dort nur ein paar hundert Soldaten aus „Down Under“ stationiert (850 im Irak, 500 in Afghanistan). Es geht mehr um die politischsymbolische Bedeutung: Die Bush- Regierung kann darauf verweisen, dass ein geachtetes Mitglied der internationalen Gemeinschaft ihrem Kurs weiterhin kritiklos folgt, und John Howard kann sich im Glanz der imperialen Macht des großen Bruders sonnen – so zuletzt beim Staatsbesuch der USAußenministerin Condoleezza Rice im März in Canberra.

Realpolitisch bedeutsamer als die Beteiligung an den Kriegen im Irak und in Afghanistan ist das australische Engagement in der unmittelbaren Nachbarschaft, im südlichen Pazifik. In dieser Wasserlandschaft mit einer Ausdehnung von immerhin 30 Mio.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Krieg und Frieden

Putins Kriegswirtschaft: Propaganda und Realität

von Michael R. Krätke

Zu den ständig wiederholten Propagandalügen des russischen Regimes gehört die Behauptung, Russlands Wirtschaft werde von den Sanktionen des Westens kaum berührt. Viele glauben das, weil die Ankündigung, die Sanktionen würden Russland in kürzester Zeit in die Knie zwingen, nicht eingetroffen ist.

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden

von Sonja Peteranderl

Über Monate hinweg beobachteten US-Geheimdienste jede Bewegung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Am 3. Januar gab US-Präsident Donald Trump schließlich grünes Licht für die »Operation Absolute Resolve«.

Libanon: Letzte Hoffnung Trump?

von Kristian Brakel

Seit Anfang März tobt im Libanon die x-te Auflage des jahrzehntealten Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah. Während die Weltöffentlichkeit gebannt verfolgt, wie Donald Trump die militärische Projektionskraft der USA am Golf verspielt, erregt der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah weit weniger Aufmerksamkeit.