Ausgabe Juli 2006

Black Box Teheran

Iranische Interessen und Fraktionen im Atomkonflikt

Es gibt wieder Bewegung in der iranischen Atomfrage. Nach jahrelangem Zögern haben sich die Vereinigten Staaten entschlossen, ein Tabu ihrer Außenpolitik zu brechen und Gespräche mit dem Iran aufzunehmen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten zeigen sich die ständigen Mitglieder des UNSicherheitsrats zudem, zumindest nach außen, darüber einig, gegebenenfalls Druck auf Iran auszuüben. Bei seinem Besuch in Teheran Anfang Juni überreichte der EU-Außenbeauftragte Javier Solana ein neues, mit den USA, China, Russland und den so genannten EU-3, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, abgestimmtes Angebot, das, Solana zufolge, Iran gar nicht ablehnen könne. Iran werden nun weitaus größere technologische und wirtschaftliche Anreize geboten als noch im August 2005; gleichzeitig aber wird ausbuchstabiert, auf welche Konsequenzen Iran sich gefasst machen muss, sollte die Führung in Teheran das Angebot ablehnen. Die internationale Gemeinschaft scheint also entschlossen, die Anreize für Kooperation und die Kosten der Nicht-Kooperation zu erhöhen.

Bereits vor Irans unsanfter Landung im UN-Sicherheitsrat kreiste die Debatte über mögliche Lösungen des „Atomstreits“, von militärischen Optionen einmal abgesehen, um zahlreiche Varianten von Zuckerbrot und Peitsche.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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