Ausgabe Juni 2007

40 Jahre 2. Juni

Die Geburt der 68er-Generation aus der Gewalt-Debatte

Offensichtlich wird die Republik in diesem Jahr von ihren Untoten heimgesucht. Das belegt nicht nur der Fall Filbinger/Oettinger. Nein, auch die RAF schien eigentlich schon lange mausetot. Bald zehn Jahre nach der schriftlichen Verkündung ihrer Selbstauflösung am 20. April 1998 hatte sich die einstige Terrororganisation längst zum Pop verpuppt: Aus Baader-Meinhof war das Modelabel Prada Meinhof geworden. Andreas Baader geisterte als Edel- Lude und Dandy durch das neue deutsche Kino. Und aus der leibhaftigen RAF schien mehr und mehr der „Mythos RAF“ zu werden, so der Titel einer heftig umstrittenen Ausstellung.

Doch in diesem Frühjahr wurde die verblichene RAF zu neuem Leben erweckt. Ausgelöst durch die anstehende und am 25. März, nach Verbüßung ihrer Mindesthaftzeit, tatsächlich erfolgte Freilassung Brigitte Mohnhaupts sowie die mögliche Begnadigung Christian Klars durch den Bundespräsidenten, schien die Terrorgruppe plötzlich medial omnipräsent. Zur Freude des rechten Lagers, fand es doch auf diesem Wege zu alter, längst verloren geglaubter bürgerlich-konservativer Eintracht zurück. Während Guido Westerwelle endgültig seine Spaßrolle abzulegen trachtete und kurzerhand den Hardliner („Keine Gnade ohne Reue“) markierte, gab ansonsten die CSU die harte Linie vor: „Mörder bleiben Mörder“.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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