Ausgabe Juli 2007

Abschreckung nach der Abschreckung

Ernst-Otto Czempiel zum 80. Geburtstag

Spätestens seit den 50er Jahren und bis zur weltpolitischen Wende 1989-92 war die Abschreckungsstrategie in unterschiedlichen Ausprägungen und Akzentsetzungen das militärische Rückgrat des Ost-West-Konfliktes, der seinerseits in der vorherrschenden politischen Programmatik als ordnungspolitisch- ideologischer Systemantagonismus begriffen wurde.1 Zwar ist Abschreckung ein in manchen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu beobachtender Regulationsmechanismus (so explizit in der unterstellten Wirkung strafrechtlicher Normen); seine besondere, konzeptuell ausdifferenzierte Prominenz erhielt das Konzept jedoch erst im Kontext der vorherrschenden Militärstrategie nach dem Zweiten Weltkrieg und hier insbesondere im Hinblick auf die Existenz von Nuklearwaffen.

Diese Waffenpotentiale mit einer in der Kriegsgeschichte bis dato beispiellosen Zerstörungswirkung wurden zur Grundlage wechselseitiger Vernichtungsdrohung, was im politischen Alltagsgeschäft jedoch vernünftigerweise zu Selbstabschreckung im Sinne der Zähmung von Vernichtungsdrohung führte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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