Ausgabe August 2007

USA vs. Russland: Das ewige Sicherheitsdilemma

Mit großer Spannung beobachtete die Weltöffentlichkeit Anfang Juli das Treffen des russischen und amerikanischen Präsidenten in Kennebunkport im US-Bundesstaat Maine. Doch auch wenn es sich dabei um eine Premiere handelte – bisher hatte George W. Bush noch keinen Regierungschef in der Sommerresidenz seiner Familie empfangen: Die Ergebnisse waren mehr als mager, die Hoffnungen auf eine Lösung des Konflikts um das geplante amerikanische Raketenabwehrsystem in Osteuropa erfüllten sich nicht.

Letztlich ging das Treffen ohne entscheidende Fortschritte zu Ende, blieben die zentralen Streitfragen weiter ungeklärt: Gegen wen ist das System gerichtet, gegen Raketenangriffe aus dem Iran und Nordkorea oder vielleicht doch aus Russland? Sollen geplante Angriffe oder nur verirrte Raketen abgewehrt werden? Wer oder was soll überhaupt geschützt werden: Europa oder die USA, militärische Anlagen oder zivile Infrastruktur? Und schließlich die eigentliche, entscheidende Frage: Verbirgt sich dahinter nicht doch ein versteckt offensives System?

An der anhaltenden Unklarheit in diesen Punkten kann auch die Tatsache nichts ändern, dass die USA inzwischen eine Informationskampagne gestartet haben, um die Verbündeten zu beruhigen.1 Einige Dinge wurden dadurch in der Tat klarer, doch bei weitem nicht alle Fragen konnten befriedigend beantwortet werden.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.