Ausgabe Dezember 2007

Pakistanische Krisengeschichte

Um herauszufinden, wer für die pakistanische Krise, ja sogar den möglichen Zusammenbruch des Landes, tatsächlich verantwortlich ist, muss man den Blick weit über General Pervez Musharraf und Präsident George W. Bush hinaus richten. Bush hat von Musharraf etwas verlangt, was Musharraf gar nicht kann – nämlich Osama bin Laden einzufangen und auszuliefern sowie die Taliban an der Rückeroberung der Macht in Afghanistan zu hindern. Bush tat dies, weil die Vereinigten Staaten das eine wie das andere ebenso wenig können. Der Zerreißprobe zwischen diesen beiden Unmöglichkeiten könnte Pakistans Einheit zum Opfer fallen.

Der amerikanische Druck auf Musharraf hat einen Teil seiner Armee auf Distanz gehen lassen, den Aufstieg des islamischen Radikalismus beflügelt, den Antiamerikanismus enorm gesteigert und jetzt durch die forcierte Rückkehr Benazir Bhuttos als Symbolfigur der amerikanischerseits gewünschten politischen Liberalisierung den zweiten Staatsstreich Musharrafs ausgelöst. Andererseits möchte Washington, dass Musharraf ein Demokrat ist. Doch die Rückkehr zu verfassungsgemäßem Regieren und die Entwicklung der Zivilgesellschaft sind erst einmal blockiert, selbst wenn für Anfang 2008 Wahlen versprochen wurden.

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