Ausgabe Dezember 2007

Pakistanische Krisengeschichte

Um herauszufinden, wer für die pakistanische Krise, ja sogar den möglichen Zusammenbruch des Landes, tatsächlich verantwortlich ist, muss man den Blick weit über General Pervez Musharraf und Präsident George W. Bush hinaus richten. Bush hat von Musharraf etwas verlangt, was Musharraf gar nicht kann – nämlich Osama bin Laden einzufangen und auszuliefern sowie die Taliban an der Rückeroberung der Macht in Afghanistan zu hindern. Bush tat dies, weil die Vereinigten Staaten das eine wie das andere ebenso wenig können. Der Zerreißprobe zwischen diesen beiden Unmöglichkeiten könnte Pakistans Einheit zum Opfer fallen.

Der amerikanische Druck auf Musharraf hat einen Teil seiner Armee auf Distanz gehen lassen, den Aufstieg des islamischen Radikalismus beflügelt, den Antiamerikanismus enorm gesteigert und jetzt durch die forcierte Rückkehr Benazir Bhuttos als Symbolfigur der amerikanischerseits gewünschten politischen Liberalisierung den zweiten Staatsstreich Musharrafs ausgelöst. Andererseits möchte Washington, dass Musharraf ein Demokrat ist. Doch die Rückkehr zu verfassungsgemäßem Regieren und die Entwicklung der Zivilgesellschaft sind erst einmal blockiert, selbst wenn für Anfang 2008 Wahlen versprochen wurden.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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