Ausgabe Februar 2008

Sarkomania - Glamour und Kalkül

Ob Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy sein Abonnement des „Time Magazine“ bereits gekündigt hat? Zweifelsohne war er wenig erfreut darüber, dass das amerikanische Blatt nicht ihn, sondern den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum „Mann des Jahres 2007“ gekürt hat: Schließlich dominiert Sarkozy seit seiner Wahl in das höchste Staatsamt Frankreichs die Titelseiten der nationalen und internationalen Presse. Mit scheinbar unbändigem Aktionismus und im strammen 24-Stunden-Rhythmus setzt er Themen, bestimmt die Aktualität: gestern eine Scheidung, heute eine Grundsatzrede, morgen ein Staatsbesuch, übermorgen eine Hochzeit. Sarkozy, der „Omniprésident“, bietet der politischen Konkurrenz nicht ansatzweise Gelegenheit, auf eine seiner Initiativen zu reagieren.

Doch Sarkozy ist nicht nur in der Lage, die politische Landschaft seines Landes zu bestimmen. Er erweckt vielmehr den Eindruck, an allem, was auf der internationalen Bühne geschieht, unmittelbar beteiligt zu sein. Auf diese Weise gelingt es ihm, seinen internationalen Partnern Erfolge streitig zu machen und etablierte Strukturen der Europäischen Union mit Füßen zu treten.

In Europa reagiert man bislang eher zurückhaltend auf die Auftritte des Lieblings der Medien. Mit einer Mischung aus Erstaunen und partnerschaftlicher Höflichkeit lässt man Sarkozy gewähren.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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