Ausgabe Dezember 2008

Juden im Iran: Heimat in der Diaspora?

Der Staat Israel gilt als die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes. Das zionistische Selbstverständnis, exklusiv das Weltjudentum zu vertreten, wird jedoch nicht nur durch die große Zahl der in den Vereinigten Staaten lebenden Juden fundamental in Frage gestellt. Vielleicht noch nachhaltiger erschüttert die Existenz einer großen jüdischen Gemeinde im Iran die Annahme, dass Israel der einzige Ort auf Erden sei, an dem Juden einem Schicksal entgehen können, dass jenem ähnelt, das ihnen im letzten Jahrhundert in Europa widerfahren ist.

Denn wie auch die amerikanischen Juden, die zum überwiegenden Teil die USA nicht als Galut, als unfreiwilliges Exil, empfinden, sehen auch iranische Juden den Iran als ihre Heimat an. Insbesondere vor dem Hintergrund der Aussagen des Präsidenten der Islamischen Republik, Mahmud Ahmadinedschad, mag dies verwundern. Dieser hat mit israelfeindlichen und antisemitischen Äußerungen wiederholt internationale Proteste ausgelöst. Umso mehr stellt sich die Frage, was die iranischen Juden heute davon abhält, in großer Zahl nach Israel auszuwandern.

Zwischen Verfolgung und Koexistenz

Der Iran beherbergt heute mit 25000 Mitgliedern die nach Israel größte jüdische Gemeinde im Mittleren Osten. Insgesamt ist die hohe Identifikation der jüdischen Minderheit mit der iranischen Kultur augenfällig.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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