Ausgabe Mai 2009

Nordkoreanischer Atompoker

Der nordkoreanische Raketentest vom 5. April war vom Regime in Pjöngjang als gigantisches Medienereignis inszeniert worden. Bereits seit Januar liefen die Vorbereitungen. Nach dem Test wurden Videos von dem Start gesendet, die dann auch schnell im Ausland zu sehen waren. Angeblich soll der Start auch so gelegt worden sein, dass ihn ein US-Kommunikationssatellit beobachten und Bilder verbreiten konnte. Als Krönung der Inszenierung wurden zudem nach dem Start in Pjöngjang mehr als 100 000 Menschen zur Feier des erfolgreichen Tests abkommandiert.

Die wirkungsvolle Inszenierung und der Umstand, dass der Test nur vier Tage vor der Wiederwahl Kim Jong-Ils als Vorsitzender der Verteidigungskommission stattfand, zeigen, dass der Test wesentlich aus innenpolitischen Gründen erfolgte. Kim, der, wie im Fernsehen zu sehen war, sichtlich gealtert ist und nach seinem Schlaganfall den linken Arm offensichtlich nicht voll bewegen kann, dürfte die Stärkung seiner Position durch den Raketentest als nötig betrachtet haben. Denn er muss angesichts seiner wachsenden Hinfälligkeit die Nachfolgefrage lösen – und dies wird nicht leicht: Sein ältester Sohn ist in Ungnade gefallen, die beiden anderen Söhne sind aber zu jung, um in einer Gesellschaft, in der das Alter einen hohen Stellenwert besitzt, von den Greisen der Militärführung anerkannt zu werden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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