Ausgabe Juni 2009

Pakistan im Mehrfrontenkrieg

Die besorgniserregenden Nachrichten aus Pakistan reißen nicht ab: Im Nordwesten des Landes erstarken die Taliban und infiltrieren das benachbarte Afghanistan, im Osten kommen die Konflikte um die Region Kaschmir nicht zur Ruhe, und auch in weiten Teilen des übrigen Landes gewinnen islamistische Kräfte stetig an Einfluss. In Reaktion auf die jüngste Offensive der pakistanischen Armee im Swat-Tal verlassen derzeit hunderttausende Flüchtlinge die umkämpften Gebiete und suchen Zuflucht in Auffanglagern, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und Behörden eingerichtet haben. Die zivile Regierung, die erst seit vergangenem Jahr im Amt ist, erweist sich als unwillig bzw. unfähig, den Zerfallserscheinungen des Landes wirksam zu begegnen, aber auch den militärisch-geheimdienstlichen Komplex in die Schranken zu weisen und ihre nationale Souveränität zu behaupten.

In Washington betrachtet man Pakistan bereits als failing state, der Druck auf Islamabad wächst. So erklärte US-Präsident Barack Obama im Rahmen seiner 100-Tage-Bilanz, er sei „ernsthaft besorgt“ über die schwindende Autorität der Zentralregierung und über die dadurch wachsende Gefahr, das atomar bewaffnete Pakistan könnte längerfristig zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheitsinteressen der USA werden. 1

Bereits vor Monaten dehnte die U.S. Army selbst die afghanische Kampfzone auf den Nordwesten Pakistans aus und flog Luftangriffe auf Nachschubstellungen der Taliban.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.