Ausgabe September 2009

Die neoliberale Schule

Bildungspolitik à la Bertelsmann

Auf welche Ziele hin Menschen erzogen, gebildet und ausgebildet werden sollen und welche Konsequenzen daraus für die zuständigen Institutionen folgen, ist heftig umstritten. Denn jedes bildungspolitische Konzept enthält explizit oder implizit wenigstens drei Grundannahmen: eine Auffassung über die Natur des Menschen, einen Wertekatalog und Vorstellungen über die Funktionsweise von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat. Jedem pädagogischen Konzept liegt also so etwas wie eine Bildungsphilosophie, ja eine Weltanschauung zugrunde. So kann das, was in Hinsicht auf Bildungsstätten, auf Hochschulen und – wovon hier die Rede sein wird – auf Schulen geschieht, zu welchem Ziel und Zweck die dortigen Lernprozesse organisiert werden, ohne einen Blick auf den normativen Horizont dieser Vorgänge nicht sinnvoll analysiert werden. Stets bleibt danach zu fragen, wohin das Ganze führen soll und was die leitenden Bilder, Visionen und Ideen dieser Konzepte sind. Kurz: Wie lauten die Wertvorstellungen bildungspolitischer Intentionen, und auf welche Philosophie stützen sie sich?

Derzeit erweist sich die bildungspolitische Debatte jedoch als seltsam wertblind. Zu Recht spricht Konrad Paul Liessmann vom „praktischen pädagogischen Nihilismus“ der Gegenwart.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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