Ausgabe November 2009

Portugal blass-rot

Die iberische Halbinsel bleibt rot. Aus der portugiesischen Parlamentswahl am 27. September ging die Sozialistische Partei (PS) des amtierenden Regierungschefs José Sócrates erneut als stärkste politische Kraft hervor. Mittlerweile hat sich die Parteiführung zur Bildung einer Minderheitsregierung entschlossen. Schon 2008 wurde im Nachbarland Spanien die sozialistische Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero im Amt bestätigt. Bieten also die beiden Wahlsiege den Beleg dafür, dass sozialdemokratische Parteien auch unter den Bedingungen der Wirtschafts- und Finanzkrise regieren und sogar wiedergewählt werden können?

Ein genauerer Blick auf die Wahlergebnisse legt differenziertere Schlussfolgerungen nahe: Die eigentlichen Wahlgewinner sind nämlich die beiden Parteien links der PS, die mit ihrer Kritik an der neoliberalen Regierungspolitik der Sozialisten zusammen fast 18 Prozent der Wählerstimmen erhielten, sowie die rechtsnationalistische CDS-PP, die erstmals auf über 10 Prozent kam. Die PS von José Sócrates dagegen hat mit 36,6 Prozent knapp 9 Prozent verloren. Dass sie trotzdem erneut zur stärksten Partei wurde, ist in erster Linie der programmatischen und personellen Schwäche der konservativen PSD zu verdanken, die 29 Prozent errang.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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