Ausgabe Februar 1990

Auf dem Weg in die plebiszitäre Willkür

Volksbefragung und Volksentscheid im Berliner Programm der SPD

Im Dezember 1989 verabschiedete der außerordentliche Parteitag der SPD in Berlin ein neues Grundsatzprogramm. Zu den im Vorfeld und auf dem Parteitag umstrittenen Programmpunkten gehörte und gehört ein Reformvorschlag, der für die Demokratieentwicklung der Bundesrepublik langfristig einschneidende Konsequenzen haben kann: Die Bevölkerung soll künftig nicht nur wählen, sondern sie soll auch mitentscheiden dürfen. Die vom Parteitag beschlossene und bis zuletzt kontrovers diskutierte Passage lautet: "Parlamentarische Demokratie vermindert und ersetzt nicht die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger.

Daher wollen wir die Bürgerbeteiligung ausweiten und das Petitionsrecht effektiver gestalten. In gesetzlich festzulegenden Grenzen sollen Volksbegehren und Volksentscheid in Gemeinden, Ländern und Bund parlamentarische Entscheidungen ergänzen. Die verfassungsrechtlichen Beschränkungen der Mehrheitsmacht gelten auch für die direkte Bürgerbeteiligung." Vor dem Hintergrund dieser programmatischen Festlegung der SPD untersucht der folgende Beitrag die historischen und politischen Bezüge der Forderung nach Plebisziten - denn die eigentliche Debatte über die Verankerung entsprechender Regelungen wird erst noch kommen.

Februar 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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