Ob - und unter welchen Voraussetzungen - die deutsch-deutsche Entwicklung mit der west- und gesamteuropäischen synchronisiert oder doch kompatibel gemacht werden kann, hängt mitentscheidend von der Rolle der EG in diesem Prozeß ab. Hinsichtlich der Bundesrepublik stellt sich die Frage, ob ihre Einbindung in die westeuropäische Integration (und damit diese selbst) Schaden nimmt; hinsichtlich der DDR geht es darum, ob - und in welcher Form - sie als neuer Mitgliedstaat oder als Bestandteil einer vergrößerten Bundesrepublik einbezogen wird. Sollten die beiden Staaten sich zu einem neuen Gebilde zusammenschließen, das eigenständiges Völkerrechtssubjekt würde, kommt die Frage von Neuverhandlungen über die deutsche EG-Mitgliedschaft auf die Tagesordnung. - Wir freuen uns, daß es uns gelungen ist, einen Experten zu gewinnen, der das Thema "Die Europäische Gemeinschaft und die Einigung Deutschlands" sozusagen als Insider beurteilen kann: Botschafter a.D. Dr. Werner Ungerer war bis 1989 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei der EG in Brüssel. Bei dem nachstehenden Beitrag handelt es sich um die Druckfassung eines Vortrags, den Dr. Ungerer am 12. März d.J. vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München gehalten und den "Blättern" freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Viele Beobachter hatten Marine Le Pen schon abgeschrieben, manche Umfrageinstitute erhoben nicht einmal mehr Zustimmungswerte für sie. Nachdem sie wegen der systematischen Unterschlagung von EU-Geldern mit einer fünfjährigen Unwählbarkeit belegt worden war, schien die politische Karriere der Rechtsextremen beendet.