Ausgabe August 1990

Die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik im ersten Halbjahr 1990

Die Konjunktur in den entwickelten kapitalistischen Ländern ist auch nach sieben Aufschwungsjahren noch immer aufwärts gerichtet. Dabei zeigen sich aber international deutliche Unterschiede. In den USA hat sich die Aufwärtsbewegung stark abgeschwächt. Im Frühjahr stagniert dort die Produktion in der Industrie, die Bautätigkeit geht zurück. Die konjunkturelle Ermüdung - verschiedentlich wird sogar mit einer Rezession gerechnet - hängt in erster Linie mit einer Abschwächung bei den Investitionen zusammen.

Die anhaltend hohen Haushaltsdefizite erfordern Beschränkungen bei den öffentlichen Ausgaben. In Japan bestimmen dagegen immer noch Auftriebskräfte die Situation, vor allem die Investitionen steigen an. Hier sind allerdings Bremswirkungen der Zinserhöhungen zu erwarten. Auch in Westeuropa ist die Konjunktur anhaltend günstig mit Ausnahme Großbritanniens. Dort behindern hohe Zinsen bei relativ starker Inflationsrate (um 8% ) die Investitionen. Die Umbrüche in Osteuropa verbessern mittelfristig die Wachstumsaussichten in W e s t e u r o p a. Kurzfristig halten sich die Auswirkungen aber - mit Ausnahme der BRD - in Grenzen. Der Anteil Osteuropas (ohne Sowjetunion) am Außenhandel der westeuropäischen Länder liegt bei 2%; Finanzierungsschwierigkeiten behindern vor allem den Handel mit der Sowjetunion.

August 1990

Sie haben etwa 16% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 84% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.