Ausgabe April 1991

Wider den westlichen Fundamentalismus

Über den Zusammenhang von Krieg, Bellismus und dualistischem Denken

Die kürzeste, einfachste und am weitesten verbreitete "Kriegsursachenanalyse" erklärt den Krieg als unvermeidlich. Die "Unvermeidlichkeitsthese" begleitet jeden Krieg - ausdifferenziert wird sie durch die Prämissen vom gerechten oder nicht-gerechten, aber gerechtfertigten Krieg. Diese Diskussion begleitet jeden Krieg und ist kein besonderes Charakteristikum des Krieges am Golf. Neu an diesem Krieg ist allerdings die Reaktion vieler linker Intellektueller, die bislang mit ihrer kritischen Haltung gegenüber der Hochrüstungspolitik zwischen Ost und West oder bezüglich der von der "Ersten" in der "Dritten" Welt geführten Kriege an die Öffentlichkeit getreten sind: Als ob es sich beim Golfkrieg um einen singulären Fall gehandelt hätte, haben sie sich, so z.B. Wolf Biermann 1), Hans Magnus Enzensberger 2) oder Andrei S. Markovits 3), auf Argumentationslinien eingelassen, die nur "gut" und "böse" - sprich: die Notwendigkeit von Krieg - zulassen.

Hat dieser Krieg im Vergleich zu anderen Kriegen ein singuläres Merkmal, so ist es diese die Ebenen vermischende Diskussion.

April 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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