Ausgabe September 1991

Braucht die UNO neue Strukturen?

Konzepte und Chancen einer Reform der Weltorganisation

Das seit 1987 deutlich gewordene Interesse der UdSSR an einer Stärkung der Vereinten Nationen 1), die allmähliche Wiederannäherung der USA an die UNO ab 1988 2), die praktische Kooperation der beiden Mächte bei der deutschen Frage und der Abrüstung in Europa im Rahmen des KSZE-Prozesses, die in der feierlichen Erklärung über das Ende des Kalten Krieges auf der KSZE-Konferenz in Paris ihren sinnfälligsten Ausdruck fand, sowie die Zusammenarbeit bei der UN-Konfliktregelung in Afghanistan, Namibia, Angola, Kambodscha und Zentralamerika und im Golfkrieg hat die Frage nach der Reform der Vereinten Nationen immer stärker in den Mittelpunkt der internationalen Diskussion gerückt. Zum ersten Mal ist durch die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit die Chance gegeben, die Strukturen der Vereinten Nationen zu reformieren, d.h. die Charta der Vereinten Nationen an wichtigen Punkten zu ändern, wozu es außer einer Zweidrittelmehrheit in der Generalversammlung auch einer Zweidrittelmehrheit der Mitglieder des Sicherheitsrates einschließlich aller ständigen Sicherheitsratsmitglieder bedürfte 3).

So äußert der New Yorker Völkerrechtler und UN-Experte Thomas Franck vorsichtigen Optimismus über die Chancen einer UN-Reform: "Zur Zeit gibt es eine einzigartige Gelegenheit.

September 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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