Ausgabe März 1992

Überwindung oder Vertiefung der Spaltung Europas?

Plädoyer für eine andere Integrationspolitik der EG

"Sprengt die deutsche Einigung die Integration Westeuropas:" lautete, pointiert, die Überschrift einer Studie von Uwe Meinhardt und Klaus-Peter Weiner in Heft 8/1991. Die "europäische Stabilität der 80er Jahre beruhte auf einer Art hegemonialer Eingebundenheit der Bundesrepublik", die, heißt es dort, ihre Stärke "nur in der Eingebundenheit der EG entfalten" konnte. Heute hänge "die Zukunft der EG wesentlich von der Bereitschaft der Bundesrepublik ab, die Integration nicht nur zu erweitern, sondern auch zu vertiefen"; allerdings erweise sich, daß "die politische Klasse der Bundesrepublik ein gespaltenes Verhältnis zur westeuropäischen Integration" habe. Klaus Hänsch (MdEP) folgerte aus dem Spannungsverhältnis zwischen Erweiterung und Vertiefung (6/1991), die EG werde "eine breite Palette von Assoziierungs- und Kooperationsverhältnissen anbieten müssen, die geeignet sind, das gesamte Europa nach dem Prinzip der 'geometrie variable' um eine erweiterte EG herum zu gruppieren".

Verzicht auf Vertiefung liefe "auch den Interessen der Beitrittskandidaten zuwider, für die nur eine Gemeinschaft attraktiv ist, die funktionsfähig ist und sich nicht in Auflösung befindet".

März 1992

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der europäische Flüchtlingsschutz: Eine Ruine

von Vanessa Barisch

Haftähnliche Unterbringung, fehlender Rechtsschutz während des Asylverfahrens und die Legalisierung von Pushbacks, das sind die Merkmale, die ab Juni den Umgang mit Flüchtlingen in der EU prägen werden. Bis dahin sollen die EU-Staaten die schon 2024 beschlossene Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems umgesetzt haben.