Ausgabe Juni 1992

Der Aufstieg der extremen Rechten in Europa

I

Die Symptome sind eindeutig: Die extreme Rechte hat seit der Mitte der 80er Jahre in Europa wesentlich an Boden gewonnen 1). Dies kommt besonders auffällig in den Wahlerfolgen rechtsextremer Parteien zum Ausdruck: In F r a n k r e i c h konnte der Front National 1983 die ersten lokalen Erfolge verzeichnen, 1984 bei der Europawahl mit 11% den Durchbruch zur Massenpartei erzielen und sich auf diesem Niveau stabilisieren - mit eher noch wachsender Tendenz (1986 bei den Parlamentswahlen 9,9%, 1988 bei den Präsidentschaftswahlen sogar 14,4%, 1989 bei den Europawahlen 11,7%, und im April 1992 bei den Regionalwahlen 13,9%). Schwerpunkte liegen in urbanen Ballungszentren. Der FN übertrifft damit seine rechtsextremen Vorgänge aus den Jahren 1956 bis 1962, die Poujadisten, ganz beträchtlich. Seine Mitgliederzahl soll von 30 000 (1986) auf über 100 000 (1990) angewachsen sein. Er verfügt seit 1984 über einen eigenen Unternehmerverband, der - nach gut faschistischer Manier - zugleich die Interessen der abhängig Beschäftigten vertreten soll, und im Bereich des öffentlichen Verkehrs- und Transportwesens haben sich "Betriebssektionen" gebildet, die unter seinem Einfluß stehen. Er stößt auf beträchtliche Sympathien in Journalistenkreisen und hat Einfluß in Polizei, Armee und Justiz sowie unter Studenten und Akademikern 2).

Juni 1992

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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