Ausgabe August 1992

Das Perot-Syndrom

"Das Land hat ohne mich schon genügend Probleme", sagte Ross Perot, als er 1987 gefragt wurde, ob er Präsident werden wolle 1). An diesem Punkt ist er - nach mehreren Monaten Höhenflug als "inoffizieller" unabhängiger Präsidentschaftskandidat - wieder angelangt: Mitte Juli zog Perot seine nie erklärte Kandidatur zurück. Bei Umfragen im Frühsommer 1992 gaben 30 bis 40% der Wählerinnen und Wähler an, sie würden für Perot stimmen. Das ist jetzt vergessen, ebenso wie der Perot-Spruch, daß "das Volk" ihn gerufen habe, weil die beiden großen Parteien Amerika nicht aus der Misere herausführen könnten. Was bleibt, ist das Signal, daß das amerikanische Zweiparteiensystem auf dem Sterbebett liegt. Die Hintergründe des Rückzugs bleiben unklar. Perot gibt an, er sei zu der Einsicht gelangt, daß er keine absolute Mehrheit erhalten würde - aber das war eigentlich nichts Neues.

Eine Chance hätte er dennoch gehabt: Für einen Perot ist Platz in der amerikanischen Landschaft, weil "die USA" für die Amerikaner mit Ausnahme der Reichen nicht mehr funktionieren.

August 1992

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema