Ausgabe Dezember 1992

Die Tragödie der bosnischen Muslime

Historischer Hintergrund, Entstehung und Ausgang des Krieges in Bosnien-Hercegovina

I. Historischer Hintergrund

Die Republik Bosnien-Hercegovina (1991 knapp 4,4 Millionen Einwohner) wurde wegen ihres multinationalen und multikonfessionellen Charakters traditionell als ein "Jugoslawien en miniature" bezeichnet. Laut Angaben der Volkszählung von 1991 stellten die Muslime 43,7% der Bevölkerung, die Serben 31,3%, gefolgt von den Kroaten mit 17,3%. Als "Jugoslawen" bekannten sich 5,5% der Einwohner. Nation und Religion sind in diesem Raum deckungsgleich. Wer zur serbischen Volksgruppe gehört, ist orthodoxer Christ, wer Kroate ist, bekennt sich zum katholischen Glauben. Die bosnischen Muslime - seit Jahrhunderten islamisiert - sind im ethnischen Sinne Slaven. Die politisch brisante und gerade deswegen immer wieder gestellte Frage, ob sie nun eigentlich serbischer oder kroatischer Herkunft seien, wurde zu Beginn der 70er Jahre auf wahrhaft salomonische Weise entschärft. Man erklärte die Muslime zu einer staatstragenden jugoslawischen Nation.

Die Bewohner Bosnien-Hercegovinas siedeln in derart bunter Mischung, daß die ethnische Karte der Republik immer wieder mit einem Leopardenfell oder einem Flickenteppich verglichen wird. Das westliche Bosnien, das an die Republik Kroatien angrenzt, ist mehrheitlich von Serben besiedelt. Zentralbosnien ist das Gebiet mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

Dezember 1992

Sie haben etwa 2% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 98% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.