Ausgabe Februar 1993

Ein Erfolgsrezept für Rußland?

I

In den Jahren der Perestroika und danach war kein Mangel an verschiedenen Reformprogrammen. Einige davon wurden offiziell verkündet, ihre Verwirklichung angestrebt.

Aber keines dieser Programme hat sich als realistisch und effektiv erwiesen. Mehr noch: Die Krise im Lande verschärft sich, die Produktion sinkt weiter, die Zentralmacht wird immer schwächer, die nationalen und territorialen Konflikte nehmen an Härte und Ausmaß zu. Im Prinzip kommt dies nicht unerwartet. Die Nachkriegsperiode in Deutschland oder Japan zum Beispiel verdeutlicht, wie qualvoll das Erbe der vorangegangenen Gesellschaften überwunden wurde.

Aber solche und andere Vergleiche sind kein Trost für eine Gesellschaft, die eine schwere Krise durchlebt und versucht, sich aus ihr zu befreien. Deshalb werden die Versuche fortgesetzt, eine "Erfolgsformel", eine Strategie des staatlichen Überlebens und der weiteren Entwicklung für Rußland zu finden. Im Unterschied zum früheren geistigen und wissenschaftlichen Isolationismus wenden sich die Forscher dieses Mal der internationalen Erfahrung zu - bis hin zur direkten Kopie derselben. Ein prägnantes Beispiel war der sogenannte Monetarismus und die Taktik der "Schocktherapie" der Regierung Gaidar. Die einfache Nachahmung erweist sich aber als genauso unproduktiv wie das Ignorieren fremder Erfahrungen.

Februar 1993

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.