Ausgabe Oktober 1993

Nach Fulda

Die Umgangsformen der offiziellen deutschen Politik rechtsextremen Gruppierungen gegenüber sind, nachdem Neonazis auf dem Domplatz der Stadt Fulda eine Gedenkshow für den Stellvertreter des "Führers" veranstalten konnten, energischer geworden. Militanten Gruppen wird durch Organisations- und Symbolverbote das öffentliche Auftreten erschwert.

Die Staatsorgane haben sich bei solchen Aktivitäten gewiß auch durch die Befürchtung leiten lassen, sich häufende Berichte über deutsche Nazi-Umtriebe in den internationalen Medien könnten dem "Wirtschaftsstandort Deutschland" Schaden antun; aber motivierend kommt hinzu, daß auch viele Vertreter der konservativen Richtung im deutschen Parteiensystem erschrocken sind, wenn Aufzüge im Stile der SA den Sonntagsfrieden stören - in diesem Falle gar vor einer sonst so anheimelnden abendländischen Kulisse. Beängstigungen können zu vernünftigen Interventionen führen; es hat seinen Sinn, wenn nun die politische Administration die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten nutzt, neonazistischen Militanten den Weg in die Öffentlichkeit zu versperren. Daß mit den staatlichen Reaktionen auf die Erfahrung von "Fulda" allerdings eine "Wende" in der deutschen Politik gegenüber rechtsextremen Risiken sich anbahne, wird man kaum annehmen können.

Oktober 1993

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema