Ausgabe Oktober 1993

Nach Fulda

Die Umgangsformen der offiziellen deutschen Politik rechtsextremen Gruppierungen gegenüber sind, nachdem Neonazis auf dem Domplatz der Stadt Fulda eine Gedenkshow für den Stellvertreter des "Führers" veranstalten konnten, energischer geworden. Militanten Gruppen wird durch Organisations- und Symbolverbote das öffentliche Auftreten erschwert.

Die Staatsorgane haben sich bei solchen Aktivitäten gewiß auch durch die Befürchtung leiten lassen, sich häufende Berichte über deutsche Nazi-Umtriebe in den internationalen Medien könnten dem "Wirtschaftsstandort Deutschland" Schaden antun; aber motivierend kommt hinzu, daß auch viele Vertreter der konservativen Richtung im deutschen Parteiensystem erschrocken sind, wenn Aufzüge im Stile der SA den Sonntagsfrieden stören - in diesem Falle gar vor einer sonst so anheimelnden abendländischen Kulisse. Beängstigungen können zu vernünftigen Interventionen führen; es hat seinen Sinn, wenn nun die politische Administration die bestehenden rechtlichen Möglichkeiten nutzt, neonazistischen Militanten den Weg in die Öffentlichkeit zu versperren. Daß mit den staatlichen Reaktionen auf die Erfahrung von "Fulda" allerdings eine "Wende" in der deutschen Politik gegenüber rechtsextremen Risiken sich anbahne, wird man kaum annehmen können.

Oktober 1993

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema