Ausgabe Oktober 1993

Erinnerungskultur der Einheit

Zur Reorganisation der Gedenkstätte Buchenwald

"Suchet der Stadt Bestes."

Motto des ersten Friedensgebetes am 4. Oktober 1989 in Weimar

Mit der deutschen Vereinigung ist für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus eine neue Situation entstanden, denn zwischen die nationalsozialistische Vergangenheit und die bundesrepublikanische Gegenwart schiebt sich in der öffentlichen Wahrnehmung die politisch-moralische Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Diese Problemlage konkretisiert sich im Konflikt um die Reorganisation der KZ-Gedenkstätten in den neuen Bundesländern, auf deren Gelände sich in der Nachkriegszeit sowjetische Internierungslager befanden, als Notwendigkeit einer vergleichenden Darstellung der historischen Vorgänge in beiden Diktaturen. Der Diskurs über die "doppelte Vergangenheit" trifft dabei auf die Probleme institutionellen Wandels zwischen administrativer Abwicklungsstrategie und lebensweltlicher DDR-Nostalgie. Am Beispiel der Umgestaltung der Gedenkstätte Buchenwald sollen die aus dieser Konstellation resultierenden Bedingungen für historische Sinnbildung im Prozeß der gesellschaftlichen Integration des vereinigten Deutschlands untersucht werden 1).

Oktober 1993

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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