Ausgabe Oktober 1993

Achtung, Kind wählt mit!

Ein Beitrag zur allmählichen Aufhebung der Diktatur der Gegenwart über die Zukunft

Inflationär zitiert wird die "Politikverdrossenheit" - konkrete Vorschläge hingegen, wie Unlust in aktive Partizipation zu wenden sei, gibt es wenige. Ein beliebtes Rezept ist, politische Handlungsdefizite durch strukturelle Veränderungen im Regelwerk der politischen Repräsentation zu beheben. Diese Strategie ist im Vorfeld der anstehenden Verfassungsreform in umfassenden Konzeptionen plebiszitärer Erneuerung diskutiert worden, aber auch punktuelle Beiträge bahnen sich ihren Weg in die Öffentlichkeit. So sind, ausgehend von der Analyse, daß die Interessen der nächsten Generation nur mangelhaft vertreten werden, u.a. Variationen eines "Familienwahlrechts" angeregt worden, bei dem Eltern zusätzliche Stimmen erhalten sollen. Der nachstehende Beitrag versucht, jenseits von familienideologischer Voreingenommenheit, aus diesen Vorschlägen einen rationalen Kern herauszuschälen und die Möglichkeiten und Konsequenzen eines mittelbaren, politisch institutionalisierten Kinderwahlrechts durchzuspielen. Der Autor, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Bad Boll, wird dort vom 15. bis 17. Oktober d.J. eine Tagung mit dem Thema "Zukunft wählen - Zusatzstimmen für die Eltern?" leiten.

Oktober 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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