Am Ende siegt weniger die Weit- als die Vorsicht. Aber auch das kann ein Ausdruck von Weitblick sein, vor allem dann, wenn die Sichtweite gering ist. Die Rede ist vom NATO-Gipfel in Brüssel, der auf Initiative der amerikanischen Administration die "partnership for peace" ("P4P") beschloß. Die Entscheidung für ein umfassendes sicherheitspolitisches Kooperationsangebot der NATO an alle Staaten des ehemaligen Warschauer Vertrages unterhalb der Ebene einer formellen Mitgliedschaft entspricht dem Gebot bedachtsamer Politik in einer Zeit europäischer Unübersichtlichkeit. Das westliche Bündnis hat sich von den schnellen Erweiterungswünschen der bündnislosen mitteleuropäischen "Klienten" vor allem Tschechiens, der Slowakei, Polens und Ungarns, der sogenannten Visegrad-Staaten - und von ihrem "Anwalt", der Bundesrepublik - nicht unter Druck setzen lassen. Herausgekommen ist ein Konsens, mit dem die NATO und die russische Föderation leben können und Mitteleuropa leben muß - zumindest auf absehbare Zeit. Das Zusammentreffen des amerikanischen Präsidenten mit den Visegrad-Repräsentanten in Prag war darüber hinaus ein geschickter diplomatischer Schachzug: Clinton machte deutlich, daß der Westen durchaus prädestinierte Kandidaten einer späteren Mitgliedschaft sieht.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.