Ausgabe Mai 1994

Auf dem Vulkan

Mülheim - Kärlich oder die unerträgliche Leichtfertigkeit der Standortfindung

Seit Anfang Mai beschäftigt sich das Oberverwaltungsgericht in Koblenz mit dem Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich. Es muß über die großräumigen Standortverhältnisse des KKWs urteilen. Anhand früherer Gerichtsentscheidungen, der verschiedenen Genehmigungen für das Kraftwerk und der zahlreichen Gutachten läßt sich nachvollziehen, daß frühe Fehleinschätzungen der geologischen Standortsituation zu den seit nun mehr als zwanzig Jahren dauernden Auseinandersetzungen um Mülheim-Kärlich führten. Das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich gilt als Pannenreaktor, denn die Anlage hat es nach ihrer Genehmigung im Jahre 1975 auf kaum zwölf Monate Betriebszeit gebracht. Seit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes im Jahre 1988 ist sie überhaupt nicht mehr ans Netz gegangen, Offenbar liegen die Gründe, die dafür sorgten, daß das Kraftwerk bislang kaum Strom lieferte, aber ständige Wartungskosten verursachte, weniger in anlagentechnischen Pannen als vielmehr in juristischen Auseinandersetzungen.

Nun hat am 2. Mai vor dem rheinland-pfälzischen Oberverwaltungsgericht in Koblenz eine weitere unter den zahlreichen Gerichtsverhandlungen zu Mülheim-Kärlich begonnen.

Mai 1994

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.