Ausgabe Februar 1995

Markttotalitarismus

"Die Sozialpolitiker in den Parteien müssen endlich mal auf den Boden der Realität gebracht werden", dekretiert der neue BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel. "Man muß ihnen sagen, daß die Marktwirtschaft an sich moralisch ist..." ("Frankfurter Allgemeine Zeitung", 13.1.1995). Während hierzulande allen LangzeitaufschwungPrognosen zum Trotz weiter eine marktfundamentalistische Provokation die andere jagt, setzte jüngst William Pfaff, einer der angesehensten amerikanischen Kommentatoren, in der "International Herald Tribune" (7.-8.1.1995) ganz andere Signale. Wir danken dem Autor für die nachstehende "Blätter"-Fassung des Beitrages und dem Los Angeles Times Syndicate für die deutschen Rechte. D. Red.

Jene Wirtschaftsorthodoxie, die da sagt, der Marktplatz könne und solle die Prioritäten der Sozialpolitik bestimmen, und die in der größtmöglichen Ausweitung des Welthandels den Weg sieht, den Wohlstand aller zu maximieren, stößt zunehmend auf Widerstand. In Westeuropa läßt sich das an manchen Einwänden gegen Maastricht ablesen, auch an Vorstößen im Europaparlament zugunsten einer Politik europäischer Handelspräferenzen. In den USA haben sich die Zweifel an NAFTA (dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen) als Folge mexikanischen Schulden- und Währungskrise erheblich verstärkt.

Februar 1995

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