Ausgabe November 1995

Die vergessenen Völker

Sie bewohnten weite Landstriche der Erde, betrachteten das Land als Lebensquelle und paßten sich den Lebensbedingungen - im Eis des Polarkreises, in den Grasprärien Nordamerikas, im tropischen Regenwald Lateinamerikas, in den Steppen Afrikas und in der Wüste Inneraustraliens - geschickt an, nutzten die Natur, ohne sie auszubeuten oder sie zu zerstören.

Dann kamen die Eroberer und Kolonialherren aus anderen Staaten und Kontinenten, besiegten die Ureinwohner-Völker durch überlegene militärische Technik, nahmen ihnen ihr Land, zwangen sie, im Umgang mit den Kolonialherren nur deren Sprache zu gebrauchen, und vermehrten ihnen mit dem Argument der Unmündigkeit alle politischen Rechte. Diese weitgehende Zerstörung der Kulturen der Ureinwohner-Völker - "indigenous peoples", wie sie sich selber in den englischsprachigen Texten ihrer Menschenrechtsorganisationen nennen - spielte sich in allen fünf Kontinenten im Namen des Fortschritts und der Zivilisation ab.

November 1995

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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