Kaum waren die Tränengasschwaden verflogen, mit denen ein martialisches Großaufgebot an Riot Police Mitte August in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul demonstrierende Studenten auf mehreren Universitätsgeländen einnebelte, sorgten aufsehenerregende Nachrichten aus der 10 Millionen Einwohner zählenden Metropole neuerlich für Schlagzeilen: Am 26. August verurteilte das Bezirksgericht in Seoul den Expräsidenten Chun Doo-Hwan (1980-1988) zum Tode und seinen Nachfolger Roh Tae-Woo (1988-1993), einige hochrangige Generäle sowie Topmanager der mächtigen Chaebol (Wirtschafts- und Finanzkonglomerate) zu hohen Haftstrafen und Geldbußen. Allen Verurteilten wurden Kapitalverbrechen zur Last gelegt - Militärputsch, Rebellion, Hochverrat und Korruption. "Wer auf der Matte schläft", lautet ein koreanisches Sprichwort, "der fällt nicht tief". Pech für jene, die sich auf Kosten des Volkes in Prunkbetten suhlten: nunmehr stürzen sie um so tiefer. Unabhängig davon, ob die Urteile letztlich vollstreckt werden oder nicht doch durch Berufungsverfahren oder qua Präsidialamnestie abgeschwächt werden, sind sie ein Politikum ersten Ranges.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.